CNE Monatsmagazin
Mai 2007
Zusammenfassung
Sozial, gerecht, gesund: Sie sind mittlerweile zu einer festen Institution unter den deutschsprachigen Hayek-Kennern geworden: die Hayek-Tage der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft e.V. in Verbindung mit der Friedrich A. von Hayek-Stiftung, Freiburg. Diesmal finden die Hayek-Tage vom 7-8 Juni in Potsdam statt. Die Hayek-Medaille geht in diesem Jahr an Professor Hans-Olaf Henkel und, was uns besonders freut, an das Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des CNE, Professor Antonio Martino. Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung ist die Expertenrunde zum Thema Gesundheitsreform.
Kopfarbeit I: Über das neue Dictionary of Liberal Thought schreibt Horst Wolfgang Boger: "Die Fachleute stammen vorwiegend aus dem Vereinigten Königreich, was nahe liegt, stand dort doch die Wiege des Liberalismus. Erfreulicherweise sind aber auch vier Verfasser(innen) aus Deutschland beteiligt, nämlich Horst Wolfgang Boger, Hardy Bouillon, Detmar Doering und Karen Horn. Wenn Lord (Ralf) Dahrendorf nicht seit vielen Jahren britischer Staatsbürger wäre, könnte man auch ihn in diesem Zusammenhang noch nennen." Kurioserweise, so Boger, sei das Buch bei www.amazon.de schon vergriffen, zum gefälligen Ausgleich bekomme man es bei www.amazon.co.uk für £23.10.
Kopfarbeit II: Mit dem Gesetz der Hydra habe Paul Kirchhof ein sehr interessantes Buch vorgelegt, das man mit großem Gewinn lesen könne, meint Horst Wolfgang Boger. Das Wasserschlangenungeheuer Hydra besaß neun Köpfe. Kirchhofs Variante hat zwölf Köpfe. "Welcher Herakles aber soll diese zwölf Köpfe abschlagen und die Wunden sogleich ausbrennen, damit nicht neue nachwachsen?", fragt Boger. Da Herakles auf sich warten lasse, müssten die Bürger notgedrungen selbst zu den Waffen greifen, sei die Antwort des Autors. "Immer neue Köpfe wachsen nach, doch nach und nach ermattet das Ungeheuer, da es keine Nahrung mehr bekommt. Und so stirbt es schließlich, vielköpfig, an Hunger", so Boger.
Es grünt so grün: Hierzulande sei die Ergrünung der Deutschland AG angesagt, meint Edgar Gärtner, "Wie anders soll man ein Schreiben der von Michael Otto, dem Chef des Otto-Versands, gestarteten Initiative "2 Grad - Deutsche Unternehmer für Klimaschutz" interpretieren?" In seinem Essay kritisiert Gärtner jedoch vornehmlich die Doppelrolle von Moralapostel und Abkassierer, die vor allen Al Gore so brillant spiele. "So besitzt Gore zusammen mit David Blood den in London registrierten Generation Investment Fund, der auf den Handel mit CO2-Zertifikaten ("Verschmutzungsrechten") spezialisiert ist. Dieses Geschäft kann freilich nur dann blühen, wenn die Industriestaaten die Zahl der Zertifikate durch strenge Vorgaben verknappen", worauf Gore nicht ganz uneigennützig dränge, moniert Gärtner.
Freiheit - welch ein Drama, meint Hardy Bouillon mit Blick auf das konstituierende Merkmal der Tragik in Schillers Dramen. Auch Schiller habe die herkömmliche Quelle menschlicher Tragik genutzt, die "aus der Auseinandersetzung des Menschen mit seinem als Fügung begriffenen Schicksal resultiert". Schiller habe jedoch vornehmlich auf die Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Freiheit gesetzt. Er habe wohl erkannt, "dass in der Freiheit des Menschen, sein Leben selbst zu gestalten, und in der vernunftgeleiteten Einsicht in die Notwendigkeit, das als moralisch richtig Erkannte zu tun, eine zusätzliche und weitaus stärkere Quelle menschlicher Tragik sprudelt, aus der er als Dramatiker reichlich schöpfen kann", so Bouillon.
Friedwart Bruckhaus Förderpreis: Alle zwei Jahre schreibt die Hanns Martin Schleyer-Stiftung den FRIEDWART BRUCKHAUS-FÖRDERPREIS für junge Wissenschaftler und Journalisten aus. So auch in diesem Jahr. Der Preis ist nach Dr. Friedwart Bruckhaus (1915 - 1980) benannt, der von 1964 bis zu seinem Tod 1980 Mitglied im Vorstand der Buderus AG war. Das Thema 2007/2008 lautet: Die Medien in einem freiheitlichen Gemeinwesen - ihre Aufgaben und ihre Verantwortung im Spannungsfeld von Politik, gesellschaftlichem Wandel und technischem Fortschritt.
Tränen für die Tschechoslowakei: CNE-Präsident Stephen Pollard, ein glühender Verehrer Mstislaw Rostropowitschs, erinnert in seinem Nachruf an den am 27. April 2007 verstorbenen Violoncellisten und Ausnahmemusiker. Noch vor kurzem hatte er das seltene Vergnügen, dem begnadeten Künstler persönlich zu begegnen. Hier erzählt er von dieser Begegnung und warum ihm ein Lifemitschnitt von 1968 so überaus empfehlenswert erscheint. "Sollten Sie nur eine seiner Aufnahmen hören wollen, dann die berühmte Pariser Lifeaufzeichnung vom 21. August 1968, als er mit dem Staatssymphonieorchester der UdSSR Dvoraks Cello-Konzert spielte, just als die Panzer der Sowjets durch Prag rollten. Sie ist weit davon entfernt, die technisch beste Darbietung zu sein, aber man kann geradezu den Schrei der Verzweiflung heraushören, den er für das tschechoslowakische Volk ausstieß," meint Pollard.
PD
Dr. Hardy Bouillon