CNE Monatsmagazin
Mai-Juni 2006

Zusammenfassung

European Resource Bank Meeting in Wien: Inzwischen ist das alljährliche European Resource Bank Meeting zum festen Bestandteil der Netzwerkaktivitäten europäischer Think Tanks avanciert. Das Wiener Hayek Institut ist Gastgeber der diesjährigen Austragung in Wien vom 29. Juni bis 2. Juli 2006. Unter Federführung seiner Generalsekretärin Dr. Barbara Kolm-Lamprechter haben die Organisatoren ein umfangreiches und kompaktes Programm zusammengestellt. Wir werfen einen Blick darauf.

In einem zivilisierten Land mit freiheitlich-demokratischer Rechtsstruktur muss es möglich sein, unabhängig von dogmatischer Bevormundung zu leben und zu sterben. So beginnt die Zielagenda der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS). Hardy Bouillon sprach mit dem Geschäftsführer Dr. Kurt F. Schobert über die Ziele und Herausforderungen der DGHS, die seit ihrer Gründung 1980 um die Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts des Menschen bis zur letzten Lebensminute ringt.

"Wer hat eigentlich den größten geistigen Einfluss auf die Deutschen?," fragt sich Gunnar Sohn und findet eine Antwort im Ranking der Zeitschrift Cicero der Top-500-Intellektuellen, das den Einfluss der wichtigsten Denker auf die öffentliche Meinung widerspiegelt. "Bei der Cicero-Untersuchung fällt auf, so Sohn, dass die wenigen Vertreter der Wirtschaft auf den vorderen Plätzen bei allen Unterschieden eines gemeinsam haben: Sie sind exzellente Redner und gute Selbstdarsteller. Das weist den Weg für die anderen."

"Die wesentliche Grundlage für Entwicklung und die Lösung aller gesellschaftlichen Herausforderungen ist der freie Wettbewerb", so das Institut für Unternehmerische Freiheit (IUF). Am 2. Mai 2006 lud das IUF zum Reformgipfel ein, um mit internationalen Experten über marktwirtschaftliche Alternativen zu Deutschlands größten Problemfelder zu diskutieren: Rentensystem, Gesundheitswesen, Arbeitsmarkt und Fiskalpolitik, u.a. mit Norbert Walter und Andrei Illarionov.

"Deutschlands staatliches Rentensystem hat keine Rücklagen, und seine Liquiditätsreserven bewegen sich um Null; sie reichen nicht einmal für einen Monat," so Wilfried Prewo in seinem neuen Buch "Vom Mündel zum mündigen Bürger". Hardy Bouillon hat die 100 Seiten umfassende Studie besprochen. Mit seinem Modell der Befähigung zur Eigenverantwortung und der Idee individueller Sozialsparkonten (SSK) zeige Prewo einen Weg aus der Misere der sozialen Sicherungssysteme, meint Bouillon und fragt: "Wie lange werden unsere Politiker es sich noch leisten können, selbst solchen Vorschlägen, die dem Totschlagargument vom sozialen Kahlschlag entgehen, ausweichen zu können?"

Warum hat sich der Neoliberalismus gegen den Keynesianismus durchgesetzt? Welche Rolle spielten dabei Popper und Hayek, und warum haben diese ihre inhaltlichen Differenzen heruntergespielt, statt sie zu klären? Interessante Fragen, zu denen Jürgen Nordmanns Buch "Der lange Marsch zum Neoliberalismus" leider keine überzeugenden Antworten liefert. "Der Grund liegt letztlich in der allzu exklusiv angewandten Methodik der Politischen Soziologie", meint Hardy Bouillon in seiner Rezension.

Die Anthologie "Karl Marx' kommunistischer Individualismus", hg. von Ingo Pies und Martin Leschke strebe keine Rehabilitierung irrigen Denkens bei Marx an, sondern wolle den systematischen Denker gegen den weniger systematischen Marxismus abgrenzen und Marxens Ideen eher als Anregung denn als Ursprung der Aufregung begreifen, so Hardy Bouillon in seiner Buchbesprechung: "Doch in der Frage nach Marxens systematischer Strenge und moralisierender Enthaltsamkeit gehen die Meinungen der Autoren weit auseinander."

Sie sind mittlerweile zu einer festen Institution unter den deutschsprachigen Hayek-Kennern geworden: die Hayek-Tage der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft e.V. Diesmal finden sie in Erfurt statt (22.-23. Juni 2006). Hauptthema sind Demographie und Ordnungspolitik. Im Rahmen der Tagung werden die Gründerin des Allensbach-Instituts für Demoskopie Elisbabeth Noelle-Neumann und der Wirtschaftsjournalist Günter Ederer mit der Hayek-Medaille 2006 ausgezeichnet.

 


PD Dr. Hardy Bouillon
Head of Academic Affairs
Centre for the New Europe